SWANS SONG – NACH DEM ENDE DER WELT – Robert McCammon

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Die ewige Gier nach Macht und Geld, Ignoranz und Dummheit haben zum Ende der Welt geführt, wie wir sie kannten. Die atomare Apokalypse ist über die Menschheit hereingebrochen, Nuklearwaffen haben sämtliche Städte der westlichen und östlichen Hemisphäre ausgelöscht, und über dem, was übrig blieb, liegt seither ein undurchdringlicher Mantel aus Strahlung und Tod.

Einige Menschen haben das Inferno überlebt, schwer gezeichnet und todkrank. Ohne bestimmtes Ziel begeben sie sich auf Wanderschaft in der Hoffnung, irgendwo einen Platz zu finden, an dem ein Leben noch möglich ist. Doch außer Hunger, Durst und der allgegenwärtigen Strahlung warten in der Ödnis noch andere Bedrohungen. Denn der Mensch selbst ist sich im erbitterten Kampf ums nackte Überleben der schlimmste Feind geworden, Menschlichkeit wird zur Nebensache, wenn es um die Befriedigung ureigenster Triebe geht.

Unter denen, die durch die atomare Hölle ziehen, sind auch Josh, ein ehemaliger Wrestler, und die neunjährige Swan. Das Mädchen ist etwas ganz Besonderes, das spürt nicht nur sie, sondern auch ihr Begleiter und jeder, der den beiden begegnet. Und noch jemand ahnt Swans Gegenwart und ihre Andersartigkeit: eine übernatürliche, böse Wesenheit, die ungesehen die Welt durchstreift und versucht, noch den letzten Funken Hoffnung für die Menschheit für immer auszulöschen.

Eine Überlebende, die dem Wesen bereits begegnet und ihm in letzter Sekunde entkommen ist, wird jetzt von ihm verfolgt, denn sie trägt etwas bei sich, das das Schicksal der Menschen beeinflussen könnte – ein seltsames Artefakt, das sie in den Trümmern von New York gefunden hat und seitdem wie ihren Augapfel hütet. Und dieser geheime Schatz scheint seine Besitzerin direkt zu einem ganz besonderen Mädchen führen zu wollen …

Robert McCammons zweibändiger Endzeit-Thriller aus dem Jahre 1987 wirkt in Anbetracht der aktuellen politischen Lage erschreckend realistisch. Zwar verfügt die Erzählung durchaus über eine phantastische Komponente, doch gerade die Ausgangssituation, die zur atomaren Katastrophe führt, sowie die Beschreibungen von deren Auswirkungen auf die Erde könnten kaum eindringlicher dargestellt sein. McCammon gelingt es, den Leser derart zu berühren, dass das Weiterlesen zuweilen richtig schwerfällt. Eine durchweg beklemmende, aussichtslose Stimmung sowie ständig der Protagonisten harrende Gefahren verlangen dem Leser Nervenstärke ab.

Die Geschichte, die leider ein paar Längen aufweist, ist in drei Hauptstränge gegliedert, die jeweils eine andere Personengruppe behandeln. Auch wenn das Ende dieses ersten Teils offen bleibt, lässt der Verlauf der Handlung vermuten, wie sich die Erzählstränge aufeinander zu bewegen und im zweiten Teil zusammenlaufen könnten.

Fazit: Ein Endzeit-Thriller der Spitzenklasse mit starken Charakteren und einer komplexen Story. Die gnadenlos realistische Darstellung der Apokalypse ist definitiv nichts für schwache Nerven.

Wertung: 9 von 10 Punkten

Festa-Verlag
450 Seiten

 

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