SCARLETT & BROWNE – Jonathan Stroud – Rezension

In einem dystopischen England, das längst nicht mehr so heißt, schlägt sich Scarlett McCain als Outlaw durch. Sie ist eine Kriminelle. Noch keine zwanzig Jahre alt, hat sie schon das Leben vieler Menschen auf dem Gewissen. Ihren Lebensunterhalt finanziert sie, indem sie Banken ausraubt und sie lässt sich dabei manchmal mit ziemlich üblen Leuten ein.
 
Für Albert Browne hingegen ist die Wildnis des ehemaligen vereinigten Königreichs etwas ganz Neues. Er ist völlig hilflos, als Scarlett ihn zufällig findet und wider besseren Wissens beschließt sie, ihm zu helfen und ihn zumindest in eine der wenigen verbliebenen, geschützten Städte zu bringen.
 
Diese Entscheidung bereut sie jedoch schnell, denn sie muss feststellen, dass die Männer, die sie die ganze Zeit schon durch die gefährlichen Wälder verfolgen, gar nicht hinter ihr her sind, sondern hinter Albert. Es stellt sich heraus, dass der schlaksige Junge ein Geheimnis hat. Es gibt einen guten Grund, warum ihm die Natur, Städte und andere Menschen völlig fremd sind und warum diejenigen, die ihn verfolgen zugleich panische Angst vor ihm haben.
 
Die Welt, in der diese Geschichte spielt ist ziemlich geheimnisvoll. Der Autor verrät in diesem ersten Band der Reihe noch nicht, weshalb England in einzelne Königreiche zerfallen, verwildert, verwüstet und teilweise überschwemmt ist. Warum es gigantische  Otter, Ratten und Bären gibt, die Jagd auf Menschen machen und wer die Gezeichneten sind, die unmenschlicher kaum sein könnten.
 
Scarlett und ihr Schützling Albert  Browne haben ein Ziel und auf dem Weg dorthin müssen sie sich nicht nur Ihren Verfolgern, sondern auch den Gefahren dieser lebensfeindlichen Welt stellen. Auch Alberts Geheimnis wird immer mehr zur Gefahr für Scarlett, ihre Helfer und für ihn selbst. Am Ende müssen die beiden sich die Frage stellen, ob es für Albert überhaupt einen Platz in dieser Welt gibt.
 
Der erste Band der neuen Jugendbuch-Reihe von Jonathan Stroud hat alles, was ein richtig gutes Abenteuer braucht: interessante, vielseitige Charaktere mit einer bewegten Vergangenheit, eine unwirtliche, gefährliche Umgebung, scheinbar übermächtige, gut vernetzte Gegenspieler und ein über allem schwebendes dunkles Geheimnis.
 
Das ist genau das Rezept mit dem Stroud bereits mit Lockwood & Co. erfolgreich war. Wem diese Reihe gefallen hat, der wird von Scarlett & Browne ganz sicher nicht enttäuscht. Man muss allerdings dazu sagen, dass die neue Reihe zuweilen erstaunlich brutal ist. Dass Jugendliche in diesem Ausmaß andere Menschen töten (auch wenn es zur Verteidigung des eigenen Lebens dient), kommt in der deutschen Jugendbuchlandschaft nicht oft vor, glaube ich.
Ich denke jedoch, dass der Autor genau dadurch verdeutlicht, wie außergewöhnlich diese Welt ist, die er für seine Romane erschaffen hat.
 
Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht, denn wenn Jonathan Stroud seinem alten Rezept treu bleibt, wird der Schleier mit jedem neuen Band ein bisschen weiter gelüftet.

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