REZENSION – Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne – Christopher Paolini

Zwischen 100 und 300 Milliarden Sterne gibt es in unserer Galaxie, der Milchstraße. Auf schätzungsweise 50 Millionen Planeten, welche die Sterne umkreisen, ist theoretisch Leben möglich. Das Licht braucht ca. 200.000 Jahre, um die Milchstraße einmal zu durchqueren.

Das sind unvorstellbare Zahlen, Zeiten und Entfernungen – wahrlich genug für Christopher Paolini, dessen Roman Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne sich ganz im Gegensatz zu vielen bekannten Weltraum-Abenteuern auf unsere heimische Galaxie beschränkt.

In seinem ersten Roman nach dem weltweiten Erfolg mit der Fantasy-Reihe Eragon wagt sich der mittlerweile 37-jährige in das schwierige Genre der Science Fiction. Schwierig deshalb, weil das was für einen fantastischen Roman die Magie, in einem SciFi-Roman die Wissenschaft ist. Und die denkt man sich eben nicht einfach mal so aus.

Ca. 300 Jahre in der Zukunft hat die Menschheit den Weltraum erobert. Die Sternensysteme der Milchstraße sind das Zuhause von Millionen Menschen. Sie haben die bewohnbaren Planeten besiedelt, Bergwerke auf Asteroiden und Monden errichtet, Raumstationen gebaut und selbst lebensfeindliche Himmelskörper durch langwieriges Terraforming auf ihre Bedürfnisse angepasst.
Sie bereisen den Weltraum mit Schiffen, die teils über Antriebe verfügen, mit denen man schneller als das Licht sein kann.

All das mag für die erfahrenen SciFi-Leser nicht neu sein. Doch außergewöhnlich ist, dass all diese Dinge so nah an dem sind, was nach dem heutigen Stand der Wissenschaft bzw. bereits existierender wissenschaftlicher Theorien denkbar wäre, dass es dem Leser erschreckend nah und realistisch erscheint.

Das Leben und Reisen im Weltraum ist kein Spaziergang. Es ist gefährlich und mit erheblichen Unannehmlichkeiten verbunden. Das wäre zum Beispiel die fehlende Schwerkraft, die unterschiedlichen G-Kräfte, die den Besatzungen bei Beschleunigungen zu schaffen machen, die Gefahr, die durch die antimateriebetriebenen FTL-Antriebe (FTL = Faster Than Light) ausgeht und noch vieles mehr. Auch energetische Schutzschilde, wie man sie aus  diversen SciFi-Serien kennt, sind in dieser Welt höchstens ein ferner Traum.

Die Menschen, die man durch diese Geschichte begleitet, sind mit dem Wissen aufgewachsen, dass es außerirdisches Leben im All gibt. Gesehen haben sie es jedoch noch nie. Bis jetzt.

In dem Roman geht es um einen Erstkontakt mit katastrophalen Folgen. Denkt man zu Beginn der Lektüre, es laufe dabei auf einen Krieg zwischen zwei Lebensformen hinaus, die unterschiedlicher kaum sein könnten, wird man recht bald eines besseren belehrt. So einfach ist es nämlich nicht.

Diese Weltraumsaga scheint wie ein Mahnmal für das, was aus Unwissenheit, Wut und Verzweiflung erwachsen kann und wohin es führt wenn der eigene beschränkte Verstand das Leben und seine verschiedenen Ausprägungen nicht erfassen kann.

Paolini lässt seine Leser spüren, wie klein und verloren die Menschheit im Angesicht dessen ist, was sich in den unerforschten Weiten der eigenen Galaxie entwickelt hat – lange bevor an sie überhaupt nur zu denken war.

Doch die Leser brauchen einen langen Atem. Die Odyssee der Hauptprotagonistin Kira, die der Auslöser dieser großen Katastrophe ist, und ihrer Verbündeten dauert fast ein Jahr und auch dann ist sie noch nicht zu Ende. Auf über 900 Seiten erlebt man mit, wie sich die Menschheit von einer aufstrebenden Zivilisation zu einer nahezu hilflos ihrem Untergang gegenüberstehenden, bedeutungslosen Spezies entwickelt.

Beispielhaft dafür begleitet man Kira und ihre Crew, deren Schicksal ganz linear und schnörkellos erzählt wird und erfährt dabei wie sinnlos menschliche Vorstellungen und Denkweisen sind, wenn man es mit fremden Lebensformen zu tun bekommt. Die Art und Weise, wie die Hauptprotagonistin sich angesichts ihrer Schuld und ihrer Aufgabe darauf einstellt und entwickelt, ist wirklich beeindruckend.

Andere Figuren stellen alle möglichen Arten menschlicher Stereotypen dar und wirken deshalb manchmal etwas fehl am Platz. Doch dem Gesamteindruck des Romans schadet das am Ende nicht.

Fazit: Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne ist ein episches Weltraumspektakel mit Tiefgang, einem außergewöhnlichen Setting und einer unbehaglichen Botschaft.

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