REZENSION – Die drei Sonnen – Cixin Liu

 

Inhalt

Wir befinden uns im Jahre 1967, die Kulturrevolution unter Mao Zedong (oder auch Tsetung), die hunderttausende bis schätzungsweise Millionen Menschen in China das leben kostete, ist in vollem Gange. Besonders Intellektuelle und Akademiker stehen im Fokus von Verfolgung, Folter und Hinrichtungen. So auch der Vater von Ye Wenjie, der vor ihren eigenen Augen getötet wird. Sie selbst wird daraufhin in eine Arbeitskolonne ins Higgan-Gebirge geschickt, wo sie Wälder roden muss. 

Doch auch dort gerät die talentierte Physikerin ins Visier der Revolutionäre und entgeht dem Straflager oder Schlimmeren nur auf Grund der Tatsache, dass ihre Fähigkeiten im Rahmen eines geheimen Projektes, dessen Basis sich in besagtem Gebirge befindet, gebraucht werden. So landet sie in der Radarstation „Rotes Ufer“. Hier wird der Weltraum abgehört, nach feindlichen – westlichen-  Signalen oder Übertragungen. Doch man hat auch andere Aufgaben, zum Beispiel, außerirdisches Leben aufzuspüren, in dem man selbst Signale sendet und zu empfangen versucht.

Was die junge Wissenschaftlerin während ihrer Zeit bei „Rotes Ufer“ entdeckt und wie sie darauf reagiert, wird das Schicksal der Menschheit über Jahrhunderte hinweg beeinflussen.

Die 2000er Jahre: Auf der ganzen Welt sterben Wissenschafter mysteriöse Tode oder bringen sich selbst ums Leben. Wang Miao ist selbst Wissenschaftler und forscht an Nano-Materialen, unter anderem für militärische Zwecke. Eines Tages wird er als Berater zu einer geheimen Unterredung hoher chinesischer sowie auch ausländischer Militärs geladen. Dort ist davon die Rede, dass die Welt sich im Krieg befindet. Wie das zu verstehen ist, wird ihm jedoch nicht erklärt. Wang Miao soll eine Organisation von Wissenschaftlern infiltrieren, die mit den vielen toten Kollegen der letzten Zeit in Verbindung zu stehen scheint. Er willigt ein und kurz darauf beginnt seine eigene Welt zu wanken. 

Er kann seinen Augen nicht mehr trauen, sieht Dinge, die nicht möglich sein können und fühlt sich vom Universum beobachtet und gelenkt. Er schafft es jedoch, nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen und dringt immer tiefer in die von ihm zu beobachtende Organisation „Frontiers of Science“ ein. Dabei deckt er nicht nur eine weltumspannende Verschwörung auf, sondern erfährt auch die haarsträubenden Gründe für den Krieg in dem sich die Welt befindet und vor dem es kein Entrinnen mehr gibt. 

Meinung

Es hat mir zeitweise wirklich die Sprache verschlagen bei den eindrücklichen Schilderungen aus der Zeit der Kulturrevolution und deren Folgen für die Menschen und das ganze Land. Der Beginn des Buches ist brutal und erschütternd und man fragt sich, wohin das noch führen soll.
Allerdings hilft er auch dabei, ein Gefühl für die chinesische Gesellschaft und für deren Angehörige zu entwickeln. Ohne diesen Einblick in die Abgründe dessen, wozu Menschen fähig sind, wäre die Motivation und das Verhalten mancher Protagonisten nicht nachvollziehbar. 

Die eigentliche Thematik des Buches ist bedrückend, beängstigend und leider gar nicht mal so unrealistisch. Ich weiß nicht, ob Stephen Hawking dieses Buch kannte aber er war derjenige an den ich die ganze Zeit während des Lesens denken musste. Cixin Liu greift das wovor der Ausnahmewissenschaftler zu Lebzeiten eindringlich gewarnt hatte auf eine ganz besondere Weise auf. Ich verrate jetzt hier übrigens nicht zuviel, denn das Ganze stellt sich am Ende doch noch als größeres, viel weitergehendes Problem dar (ja, das geht).

Der Autor beschreibt recht ausgiebig diverse technische und wissenschaftliche Fakten. Ich fand diese gut verständlich und wirklich interessant. Sie haben der Geschichte noch mehr erschreckende Glaubwürdigkeit verliehen. Natürlich kann ich nicht beurteilen, ob diese Fakten korrekt sind aber für mich klang das alles sehr einleuchtend.

Die Figuren agieren aus meiner Sicht teilweise recht seltsam. Sie tun ohne jemals über ihre Familie, ihr gewohntes Leben oder den möglichen Tod nachzudenken, Dinge für das große Ganze und nehmen Opfer in Kauf. Der Umgang untereinander findet fast ausschließlich auf einer sachlichen Ebene statt. Es gibt keine emotionalen Szenen oder Dialoge, trotz der schlimmen Dinge, die passieren.

Ich kann nicht sagen, ob das in der chinesischen Literatur generell so ist, ob das der gesellschaftlichen Norm entspricht oder einfach nur eine Eigenart des Autors ist. Ich fand das anfangs zwar gewöhnungsbedürftig aber es passt einfach zu der Thematik und der generell sachlichen und faktenbezogenen Erzählweise. Trotzdem war das Buch für mich gut und flüssig zu lesen. 

Am Ende klärt sich auf, was in der Basis „Rotes Ufer“ vor Jahrzehnten wirklich passiert ist und warum und mit wem man sich im Krieg befindet. Achtung! Es ist nicht so simpel, wie ihr jetzt vielleicht denkt. 

Der zweite Teil „Der dunkle Wald“ handelt davon, wie die Menschheit mit der Situation umgeht und sich vorbereitet. Der ist natürlich direkt auf meiner Wunschliste gelandet.

Fazit

Ein beeindruckender Science Fiction Thriller, der den Blick darauf lenkt, wie sich die Menschheit in ihr eigenes Verderben manövrieren könnte, auch ohne Beihilfe von außen (oder von oben, wie auch immer…). Laserkanonen und grüne Tentakelwesen sind dafür gar nicht nötig. 

 

 

 

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