PEPPER MAN – Camilla Bruce – Rezension

Fantasie oder ganz realer Horror?  Diese Frage lässt der Roman offen.
 
Cassandra Tipp war eine erfolgreiche Autorin. Ihre romantisch, kitschigen Liebesromane  – allesamt in pinken Einbänden, verkauften sich millionenfach und waren dabei so vollkommen anders, als das was die Autorin selbst erlebt hatte.
 
Cassandra Tipp verschwindet im Alter von 74 Jahren spurlos. Sie galt als exzentrisch, sogar verrückt und war als Mörderin verrufen. Deshalb geht man nicht davon aus, dass ein Verbrechen der Grund für ihr Verschwinden sein könnte. Außerdem hat sie für genau diesen Fall, ihr plötzliches Verschwinden – genaue Anweisungen hinterlassen.
 
Um an das Codewort zu gelangen, welches ihnen Zugang zum Erbe ermöglicht, müssen ihr Neffe und ihre Nichte ein Manuskript lesen. Dieses offenbart den beiden die unfassbare und tragische Geschichte von Cassandras Leben.
 
Sie kannte keine Zeit in ihrem Leben, in der er nicht an ihrer Seite war. Solange sie sich zurück erinnern konnte, existierte auch Pepper Man. Er war eine Art Parasit, hässlich und furchteinflößend. Er nährte sich von ihrem Blut und ihrer Lebenskraft und ließ sie so jede Nacht Qualen leiden. Auch tagsüber war er bei ihr aber niemand außer ihr konnte ihn sehen. Sie wusste, er ist gefährlich und würde auch anderen weh tun und so tat sie alles, um seine Aufmerksamkeit auf sich und von anderen abzulenken.
 
Dieses Verhalten ließ sie schnell als Sonderling dastehen. Vieles was sie tat, um andere vor Pepper Man zu schützen und ihre eigenen Qualen zu verbergen, brachte sie und ihre ganze Familie in unmögliche Situationen.
Dass andere sie mieden, machte ihr jedoch nicht viel aus, denn sie war ja nie allein. Mit der Zeit wurde Pepper Man ihr Freund und Beschützer. Er machte ihr Geschenke, die aus dem Wald kommen – Knochen von toten Tieren, Hölzer und Wurzeln. Er entwickelte sich und veränderte sich, so wie sie selbst auch.
 
Und als Erwachsene heiratete sie einen Mann, der aus Zweigen und Steinen bestand und der von unheimlichen Wesen aus dem Wald nur für sie geschaffen wurde.
 
Das was Cassandra in ihrem Manuskript beschreibt, wirkt zunächst wie ein Horror-Märchen. Doch schnell wird klar, dass es leider nicht so einfach ist. Wäre das doch nur ein Märchen – denkt man sich die ganze Zeit, je weiter man in die Geschichte eintaucht und langsam beginnt, zu verstehen…
 
Pepper Man ist schwer einzuordnen, denn jeder wird das Buch auf seine eigene Weise interpretieren. Während Fantasy-Leser wahrscheinlich die Welt der Fabelwesen, mit der Cassandra so tief verbunden ist, spannend und gar nicht mal so abwegig finden, wird es für Liebhaber von Psychothrillern oder sogar Gegenwartsliteratur ein anderer Aspekt der Geschichte sein, der sie fasziniert.
 
Die starken Gefühle, die der Roman auslöst, sind jedoch völlig unabhängig von literarischen Vorlieben. Egal aus welcher Perspektive man ihn liest, er ist zutiefst erschütternd und berührend. Und das ist auch kein Wunder, denn das ist bereits Grundthema an sich.
Doch die Autorin nähert diesem sensiblen Thema auf eine Weise, die den Lesern erlaubt zu hoffen und zu vergeben.
 
Mit dem Ende schafft sie es, der Geschichte das I-Tüpfelchen aufzusetzen und trotz all dem Schmerz und der Düsternis, die die Protagonistin erfahren musste, eine Art Versöhnung zu erreichen und dem Leser ein zufriedenes Lächeln zu entlocken.
 
Ihr glaubt mir nicht? Probiert es  aus!
 
Fazit:
Dieses Buch war für mich die Überraschung des letzten Jahres. Ich kann es nur empfehlen, rate jedoch allen davon ab, die in Bezug auf Kindheitstraumata schlechte Erfahrungen gemacht haben, da es wirklich sehr starke Gefühle auslöst.
 
Die Autorin schafft mit ihrer Geschichte auf jeden Fall einen exzellenten Balance-Akt zwischen Fantasie und grausamer Realität. Mich hat das Buch in seinen Grundzügen sehr an den Film Pans-Labyrinth erinnert. Wer diesen Film kennt, weiß jetzt auch, was emotional auf ihn zukommen könnte.

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