MARINA – Carlos Ruiz Zafón

Roman
Carlos Ruiz Zafón

FISCHER Taschenbuch Verlag
5. Auflage
352 Seiten

Der 15jährige Oscar ist Internatsschüler in Barcelona. Er liebt es, seine Zeit nach Schulschluss in den alten Villenvierteln der Stadt zu verbringen. Eines Abends dringt er unerlaubter Weise und fast schon unbeabsichtigt in ein solches Haus ein. Dort findet er einen alten Mann, der ihm zunächst einen riesen Schreck einjagt. Doch Oscar zieht es zurück zu dem Haus und dies führt zu der schicksalhaften Begegnung mit Marina – der Tochter des alten Mannes, die ungefähr in seinem Alter ist. Die beiden finden Oscar offenbar sympathisch und lassen ihn in ihr Haus. Es beginnt eine zarte Freundschaft. Marina, die sich stets ein wenig geheimnisvoll gibt, lädt Oscar zu einem Spaziergang ein und führt ihn dabei auf einen uralten, versteckt gelegenen Friedhof. Dort beobachten sie eine schwarz gekleidete, verschleierte Frau, die einen namenlosen Grabstein besucht – wie Marina erzählt, an jedem letzten Sonntag im Monat. Sie folgen der geheimnisvollen Frau und entdecken dabei einen Ort, der sie das Fürchten lehrt. Ab diesem Zeitpunkt sind sie, ohne es zu wissen, in eine Geschichte verwickelt, die ein schreckliches Geheimnis birgt. Immer tiefer geraten sie in den Sog mysteriöser Ereignisse und bald müssen sie um ihr eigenes Leben fürchten.
Doch auch Marina und ihr Vater haben ein Geheimnis. Zwar erzählen sie Oscar ihre traurige Familiengeschichte, doch in einem Punkt sagen sie ihm nie die Wahrheit. Am Ende erfährt Oscar nicht nur, was es mit einem der reichsten Männer Barcelonas und dessen gruseligen Machenschaften auf sich hat, sondern auch, was das Geheimnis von Marina und ihrem Vater ist. Es ist eine Geschichte, die einmal Oscars Geheimnis sein wird…

Ich wollte dieses Buch, weil ich vor Jahren „Der Schatten des Windes“ gelesen hatte, was ich – zumindest vom Schreibstil her – in guter Erinnerung hatte. Ich war einfach neugierig auf einen weiteren Roman von Zafon. Große Erwartungen hatte ich nicht, weil es sich bei Zafon nicht um mein bevorzugtes Genre handelt und so nahm ich das Buch als Mittagspausen-Unterhaltung mit zur Arbeit. Ich begann zu lesen und war sofort gefangen. So kam es, dass ich das Buch noch am gleichen Tag komplett ausgelesen hatte. Der Roman schien anfänglich eine Liebesgeschichte zu werden und obwohl ich solche nicht mag, musste ich weiterlesen, denn was Zafon meisterhaft beherrscht ist, eine ständige unterschwellige geheimnisvolle Stimmung zu erzeugen, die einen nicht mehr loslässt. Zu meiner Überraschung war die Liebesgeschichte nicht so dominant und wurde eher zur Rahmenhandlung für das Kommende. Und das war genau nach meinem Geschmack: mysteriös, gruselig, spannend und sehr verzwickt. Die Geschichte zieht sich durch ganz Barcelona und betrifft Personen, mit denen Marina und Oscar niemals etwas zu tun hatten, geschweige denn, von ihnen wussten. Man erfährt so einige Lebensgeschichten – aus verschiedenen Perspektiven- und doch gibt es immer den roten Faden, der einen die eigentliche Geschichte nicht vergessen lässt bzw. gekonnt die Verbindungen aufzeigt. Und neben der dramatischen Handlung entwickelt sich auch das Mysterium um Marina selbst. Sie führt einen eigentlich die ganze Zeit an der Nase herum. Doch wenn man genau liest und über kleine Ungereimtheiten nachdenkt, ahnt man, was am Ende passieren könnte.

Fazit: Mich hat dieses Buch völlig begeistert. Es ist kein Liebesroman, sondern eher ein spannender Mystery-Thriller mit einer zarten Liebesgeschichte zwischen Teenagern. Und auch wenn die Stimmung des Buches sehr düster und gruselig ist und ziemlich viel Blut fließt, ist es eher ein Jugendbuch mit viel Tiefgang (und sprachlich auch noch wunderschön), welches auch für Erwachsene empfehlenswert ist.

Wertung 8 von 10 Punkten

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