JOHN DICKSON CARR – Der verschlossene Raum – Rezension

Der Roman beginnt ungewöhnlich. Die Leser erhalten gleich zu Beginn einen Lageplan des Hauses, in dem das Mordopfer lebte und starb. Dort ist sogar eingezeichnet, wo der Leichnam gefunden wurde, wo sich Sofa und Sessel befanden und welche Zeugen wo gestanden haben.

Außerdem wird auf den ersten Seiten schon klargestellt, dass keinerlei übernatürliche Phänomene bei der Lösung des Falles eine Rolle spielen und das die Aussagen eines bestimmten Zeugen absolut wahr sind.

Wir befinden uns im London der 1930 Jahre der Privatgelehrte – ja, so etwas gab es damals wohl – Dr. Gideon Fell empfängt in seinem Haus einen alten Freund, Superintendent Inspektor Hadley sowie einen weiteren Freund und dessen Frau. Während dieses zwanglosen Beisammenseins erfährt er von einem seltsamen Zwischenfall, der einem gemeinsamen Bekannten – Professor Grimaud – in dessen Klub passiert ist. Er wurde dort von einem Fremden aufgesucht und vor den Augen mehrerer Zeugen mit finsteren Drohungen konfrontiert.

Der scharfsinnige Dr. Fell erkennt sofort, dass hinter dieser Begebenheit eine ernsthafte Gefahr steckt und überzeugt seine Besucher, umgehend mit ihm zum Haus von Prof. Grimaud zu fahren.

Dort angekommen, ist es bereits zu spät. Der Professor befindet sich in seinem verschlossenen Arbeitszimmer und mit ihm auch sein Mörder, der so eben einen Schuss abgefeuert hat.

Doch als es den Männern gelingt, die Tür des Zimmers aufzubrechen, treffen sie nur auf den sterbenden Grimaud. Der Mörder ist verschwunden.

Das große Rätsel an diesem Fall ist, wie konnte der Mörder das Zimmer verlassen? Die Tür wurde die ganze Zeit vom Sekretär des Opfers beobachtet – übrigens der Zeuge, dessen Aussage einhunderprozentig wahr ist, die Fenster waren verschlossen und der Schnee auf den Fensterbrettern sowie auch auf dem Dach des Hauses und vor dem Haus war absolut unberührt. Der Kaminschacht war so schmal, dass nicht mal ein Vogel hindurchgepasst hätte und eine Geheimtür gab es auch nicht.

Es gibt zwar einen Hauptverdächtigen, denjenigen, der das Opfer noch kurz zuvor bedroht hatte, doch auch der wird kurze Zeit später ermordet aufgefunden – ebenfalls umgeben von einer unberührten Schneedecke und vor den Augen mehrerer Zeugen erschossen, ohne das die irgendjemanden gesehen hätten.

Kein Wunder, dass bei diesen Umständen viele anfangen, an Geister zu glauben. Doch Dr. Fell ist überzeugt, dass es eine völlig rationale Erklärung gibt und Verdächtige gibt es auch noch mehr als genug.

Den Lesern werden im Laufe der Gesichte die familiären und geschichtlichen Hintergründe der Beteiligten offenbart und darunter befinden sich welche mit ziemlich viel Zündstoff. So kommt es, wie es kommen soll. Man verdächtigt alle und jeden und ist geneigt, den recht simplen Theorien des Inspektor Hadley zuzustimmen. Doch Dr. Fell grätscht immer wieder mit rätselhaften Aussagen und neuen, teilweise absurd anmutenden Spuren dazwischen.

Als der Gelehrte dann noch einen 14seitigen Monolog darüber zum Besten gibt, welche Möglichkeiten es gibt, ein Verbrechen in einem hermetisch abgeriegelten Raum zu begehen, hat man das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen.

Am Ende kann Dr. Fell dieses wirklich spektakuläre Verbrechen mit all seinen Verwicklungen und Geheimnissen zur Gänze aufklären und lässt nicht nur den Inspektor sondern auch seine Leser sprachlos zurück.

Meine Meinung

John Dickson Carr war ein Zeitgenosse von Agatha Christie  und Arthur Conan Doyle und wie auch diesen beiden begnadeten Krimi-Autoren gelingt es ihm seine Leser durch intelligente, rätselhafte und ungewöhnliche Kriminalfälle zu begeistern.

Der Erzählstil ist seiner Zeit gemäß eher langsam, detailliert und atmosphärisch. Trotz allem ist die Geschichte nicht langatmig sondern wird durch geistreiche Dialoge, das teils skurrile Verhalten des Dr. Fell und stets relevante Hintergrundinformationen lebendig gehalten.

Der Roman ist ein Paradebeispiel für einen sogenanntes „Locked room“ oder „impossible crime“- Mystery und dürfte ein Leckerbissen für Fans spannender, intelligenter und dazu noch  unterhaltsamer Kriminalliteratur sein.

Fazit

John Dickson Carr, der übrigens Amerikaner war,  hat über sechzig Romane veröffentlicht, darunter die Geschichten um Dr. Gideon Fell aber auch historische Krimis und weitere Detektiv-Serien.

Wenn ich also demnächst Lust auf einen wirklich guten Krimi verspüre, werde ich nicht lange in den Neuerscheinungslisten herumstöbern, sondern lieber zu einem der großen Alten greifen.

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