IM BRUNNEN DER MANUSKRIPTE – Jasper Fforde

Jasper FfordeEin Thursday Next Roman (Nr. 3)

Jasper Fforde

Deutscher Taschenbuch Verlag

Taschenbuch
416 Seiten

Gleich vorab: Wer die ersten beiden Teile der Reihe nicht kennt, wird mit der Inhaltsangabe nicht allzu viel anfangen können.
Thursday ist schwanger und auf der Flucht vor den Leuten, die ihren Mann Landen Parke-Laine genichtet haben. Um sich eine Auszeit zu nehmen und in Ruhe ihr Kind zur Welt zu bringen, begibt sich Thursday in den Brunnen der Manuskripte. Hier kann sie unentdeckt in der Welt der unveröffentlichten Bücher leben und macht gleichzeitig eine Ausbildung zur Jurisfiktions-Agentin.
Sie hat sich einen unterdurchschnittlichen Kriminalroman namens „Caversham Heights“ als Wohnort ausgesucht und lebt dort mit zwei Rohlingen (unfertige Romanfiguren) auf einem Haus-Flugboot.
Zu ihren Aufgaben neben der Ausbildung als Jurisfiktions-Agentin gehört es, ihre Rolle in dem Roman zu spielen –hier eine Kriminalbeamtin. Da dem Manuskript auf Grund der schlechten Qualität die „Verschrottung“ droht, greift sie im Laufe der Zeit ein und beginnt, die Geschichte bzw. die Charaktere zu beeinflussen, um eine Besserung zu erzielen. Das führt natürlich zu einigen Wirrungen.
Zudem taucht auch noch ihre Großmutter in „Caversham Heights“ auf, die dafür sorgen will, dass Thursday die Erinnerungen nicht verliert. Aornis Hades – ein Mnemomorph hat sich nämlich in Thursdays Verstand eingenistet mit dem Ziel, sie sämtlicher Erinnerungen zu berauben und so in den Wahnsinn zu treiben – ein Racheakt für die im ersten Band erfolgte Vernichtung des Bösewichts Acheron Hades.
Die Jurisfiktions-Ausbildung führt Thursday und ihre Ausbilderin Ms Havisham (aus „Große Erwartungen“) in die verschiedensten Romane, wo sie Grammasiten bekämpfen, illegale Geschäfte mit Handlungselementen unterbinden oder die Handlungen anpassen müssen. Und immer wieder taucht UltraWord auf – ein neues Programm zur besseren Übertragung der Buchinhalte in die Köpfe der Leser – welches in Kürze eingeführt werden soll. Doch genau das birgt eine gewaltige Gefahr – sowohl für die Buchwelt als auch für die Außenwelt. Thursday befindet sich inmitten einer Verschwörung, die einige Leben kosten wird und ihr eigenes ebenfalls bedroht.

In diesem Teil der Thursday Next Reihe widmet sich Jasper Fforde ausführlich der Buchwelt und deren Funktionsweise. Man erfährt, welcher Aufwand hinter dem Schreiben eines Romans steht. Und damit ist nicht der Schreibvorgang durch den Autor gemeint, sondern das Umsetzen der Fantasie desselben in Text durch das Zusammenfügen von Handlungselementen, Ausmerzen von Rechtschreib- und Grammatikfehlern, Ausbildung von Rohlingen zu den benötigten Charakteren und vielem mehr.
Man erfährt außerdem, welche Auswirkungen es hat, wenn Romanfiguren nicht mehr das tun, was sie sollen, wenn sie in andere Romane wechseln oder noch schlimmer, wenn Fabelwesen und andere Kreaturen aus ihren Romanen ausbrechen. Was mit einem Buch passiert, das von Grammasiten befallen wurde und was mit Personen geschieht, die dem Myspelling Virus ausgesetzt werden (wenn sich nämlich erst mal ein Bein in Wein und eine Hand in eine Wand verwandelt hat – hat man nicht mehr lange zu leben).
Dies alles zusammengenommen mit der persönlichen Geschichte um Thursday und der Verschwörung in der Buchwelt ist enorm viel an Informationen auf 416 Seiten. Keine Frage, Fforde schreibt genial und witzig und scheint einen unerschöpflichen Vorrat an guten und verrückten Ideen zu haben aber ich fühlte mich von der Informationsflut etwas überfordert – zumal sehr vieles Bezug auf die vorangegangenen Teile nahm bzw. das Wissen aus diesen voraussetzte.
Die Bände 1 bis 3 dieser Reihe  (also die, die ich bis jetzt gelesen habe) kann ich jedoch uneingeschränkt empfehlen – zumindest Lesern, die mit einem enormen Maß an Fantasie und Vorstellungskraft ausgestattet sind. Sich dieses Konstrukt aus Buchwelt und Außenwelt (in der ebenfalls viele Dinge so ganz anders und verrückt sind) vorzustellen, ist nicht ganz einfach. Deshalb empfehle ich auch, die Bücher der Reihe in nicht allzu großem zeitlichen Abstand voneinander zu lesen.

Fazit: Der Roman sprüht, wie seine Vorgänger, vor feinsinnigem Witz, literarischem Sachverstand und tollen Ideen. Ein bisschen anstrengend zu lesen ist er jedoch auf Grund der Vielzahl an Handlungssträngen und vorausgesetztem Wissen aus den Vorgängern. Das gibt ein wenig Abzug in der Gesamtwertung, ist aber kein Grund, das Buch/die Reihe nicht zu empfehlen. Wer Jasper Fforde nicht kennt, verpasst etwas…nein, sehr viel!

Wertung 7 von 10 Punkten

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