DOUGLAS ADAMS / PHILIP JOSÈ FARMER – zwei Rezensionen

Dirk Gentlys Holistische Detektei (Der elektrische Mönch)
Douglas Adams, 1987

Inhalt:
Richard McDuff ist Programmierer, arbeitet bei dem IT-Unternehmen „Way Forward Technologies“ und ist außerdem der Freund einer gewissen Susan Way.
Er wird von seinem ehemaligen Professor Reg Chronotis kontaktiert und gebeten, zu ihm ins College zu kommen. In der Annahme, dass der Professor mit ihm etwas zu besprechen hätte, fährt er hin. Doch Reg benimmt sich merkwürdig, so als wüsste er nicht mehr, warum er Richard hergebeten hat. Er nimmt ihn mit auf ein Bankett und später in seine Wohnung auf dem Campus. Dort verhält er sich ebenfalls sehr seltsam und als Richard ein Pferd in Regs Badezimmer entdeckt, kommen ihm erhebliche Zweifel an der geistigen Gesundheit seines ehemaligen Tutors.
Außerdem begleiten wir Gordon Way, Richards Chef und Inhaber von Way Forward Technologies auf dem Weg in sein Landhaus. Wir erleben, wie Susan Way außer sich ist vor Wut, weil Richard vergessen hat, sie zu seinem Treffen im College mitzunehmen und finden uns in einer unbekannten Welt wieder in der ein elektrischer Mönch inbrünstig an alles glaubt, was ihm über den Weg läuft. Dann wäre da noch Michael Milton-Innerwoakes, der eigentlich Inhaber und Chefredakteur eines Magazins ist, aber soeben von seiner Mutter gefeuert wurde.
Ach, und nicht zu vergessen, Svlad Cjelli, Richards ehemaliger Kommilitone, der schon einiges auf dem Kerbholz, sich jetzt Dirk Gently nennt, eine holistische Detektei betreibt und wohlhabende Damen abzockt.
Diese Handlungsstränge führen natürlich irgendwann zusammen und ergeben ein ziemlich schräges Gesamtbild. Am Ende treffen alle Akteure zusammen, eigentlich um jemandem auf sehr ungewöhnliche Weise bei einem sehr ungewöhnlichen Problem zu helfen. Doch plötzlich stehen sie vor der dringenden Aufgabe, die Menschheit zu retten.

Meinung:
Dieses Buch hat mich unheimlich viel Zeit gekostet. Anfangs war ich noch neugierig und recht angetan vom schrägen Humor der Geschichte aber spätestens ab der Hälfte der nur 224 Seiten, habe ich mich ziemlich gequält.
Die einzelnen Handlungsstränge treffen erst recht spät aufeinander, sodass die Geschichte lange Zeit aus mehreren, leider nicht wirklich spannenden Teilen besteht. Der Autor zögert auch den freien Blick auf das eigentliche Kernproblem unnötig lange und auf eine nicht sehr elegante Weise heraus.
Dirk Gently ist natürlich derjenige, der hier den richtigen Riecher hat aber er gibt nur kryptische Auskünfte und hüllt sich ansonsten in bedeutungsschwangeres Schweigen. Aus meiner Sicht – eine ziemlich abgedroschene Verzögerungstaktik.

Das Ende kommt überraschend schnell. Nachdem durch Gently aufgeklärt wurde, was eigentlich mit ihnen allen passiert ist und worauf einige ungewöhnliche Verhaltensweisen und Erlebnisse der letzten Zeit zurückzuführen sind, tritt der eigentlich Auslöser persönlich in Erscheinung.
Man einigt sich schnell, wie zu verfahren ist, tut etwas ziemlich gefährliches und stellt dabei fest, dass genau das die Menschheit auslöschen wird. Dann überlegen sie sich schnelle eine Lösung für das Problem  – deren Sinn und Wirkungsweise ich beim besten Willen nicht verstanden habe – und schon ist alles wieder gut.
Dabei wurde jedoch vergessen, einige der Handlungssträng abzuschließen bzw. deren Sinn aufzuklären.
Ich war leider am Ende eher enttäuscht von dem Buch. Nachdem ich bereits mit „Per Anhalter durch die Galaxis“ so meine Probleme hatte, kann ich nun jedoch guten Gewissens sagen, dass Douglas Adams einfach nicht meins ist und ich auch kein weiteres seiner Werke lesen muss.

Dayworld
Philip José Farmer, 1985

Dies ist der erste Teil der Trilogie und der einzige, der ins Deutsche übersetzt wurde.

Inhalt:
Wir befinden uns in einer Ära der Menschheit, die als die „Steiner“-Gesellschaft bezeichnet wird. Die Überbevölkerung und die damit einhergehende Umweltverschmutzung, Nahrungsmittel- und Platzknappheit haben die Regierenden zu einem drastischen Schritt veranlasst. Die Weltbevölklerung wird in 7 Teile aufgeteilt und jeder Mensch darf fortan nur noch einen Tag in der Woche leben. Die anderen sechs Tage ist er versteinert (ein Zustand in dem die Bewegung der Moleküle des Körpers auf Null verlangsamt wird).
Somit leben die Menschen nur noch 52 Tage im Jahr und altern auch entsprechend langsam. Die Zeitrechnung wird in Subjahre (Jahre, die ein Mensch subjektiv erlebt) und Objahre (tatsächlich vergangene Zeit) eingeteilt.
Daraus ergeben sich für das tägliche Leben natürlich etliche Besonderheiten. Es fängt damit an, dass man seine Wohnung und seinen Arbeitsbeitsplatz mit sechs anderen Menschen oder Familien teilt – die man jedoch niemals kennenlernt.
Auch die Regierung ist jeweils nur für einen Tag zuständig, ebenso die Strafverfolgungsbehörden (was später noch wichtig wird) und die Presse. Nachrichten werden nur im Notfall von einem Tag an den anderen weitergegeben. Das einzige, was die Menschen eines Tages vom anderen erfahren, ist der Wetterbericht.
So hat sich für jeden Wochentag eine eigene Gesellschaft entwickelt mit unterschiedlichen Umgangsformen, Kleidungsstilen und Wertvorstellungen. Dies alles wissen die Menschen der verschiedenen Wochentage nicht voneinander. Doch es gibt Gerüchte und Spekulationen und es gibt Tagbrecher. Das sind Menschen, die sich am Ende des Tages nicht in einen der Versteinerungszylinder begeben, sondern einfach weiterleben – Tag für Tag für Tag.

Jeff Caird ist ein Organik (so etwas wie ein Polizist) und lebt mit seiner Frau Ozma immer Dienstags. Er überwacht die strengen Regeln in seiner Dienstagswelt (eine Bananenschale auf den Boden zu werfen, ist ein schweres Vergehen) und er sucht nach Tagbrechern, denjenigen, die sich der Versteinerung entziehen.
Doch Jeff ist selbst ein Tagbrecher und zwar ein ganz besonderer. Er lebt an allen Tagen der Woche ein anderes Leben mit einer anderen Persönlichkeit, einem anderen Job und einer anderen Frau. Er hat sein siebenfaches Leben perfekt organisiert und kann sich auf diese Weise unerkannt durch sämtliche Tagesgesellschaften bewegen. Doch Jeff ist kein Verbrecher im eigentlichen Sinne. Er ist Tagbrecher im Auftrag einer Anti-Regierungs-Organisation, die eine Veränderung der Gesellschaft anstrebt und dafür eine Vielzahl an Schlüsselpositionen mit ihren einen Leuten besetzt hat.
Diese Organisation nennt sich die „Immers“. Sie wollen nicht nur, dass die Menschen wieder jeden Tag leben dürfen, sie haben sogar ein Elixier entdeckt, dass das Leben extrem verlängert. Deswegen ist es Jeff auch möglich, jeden Tag zu leben und trotzdem nur so langsam zu altern, wie jemand der regelmäßig versteinert wird.

Er ist nun das täglich offene Auge und die Ohren der Immers in Manhattan. Doch eines Tages beginnt das Blatt sich zu wenden. Eine Ermittlerin , die tagesübergreifende Befugnisse hat, taucht plötzlich auf und möchte Bob Tingle, Jeffs Mittwochs-Persönlichkeit, treffen und befragen. Der Grund für ihre Fragen scheint jedoch zu banal zu sein für eine tagesübergreifende Ermittlung und Bob (also Jeff) hat den Verdacht, dass diese Ermittlung sich eigentlich gegen ihn und die Immers richtet. Ab sofort besteht die Gefahr, dass die Ermittlerin ihm auch an den anderen Tagen der Woche über den Weg läuft und ihn erkennt. Doch wenn Jeff mit seinen sieben Persönlichkeiten auffliegt, dann wäre die ganze Organisation geliefert.
Die Ermittlerin ist jedoch nicht Jeffs einziges Problem. Ein verrückter Killer hat es auf ihn abgesehen und verfolgt ihn tagbrechend durch sämtliche Tage. Dabei hinterlässt er eine blutige Spur, denn er kann zwar Jeff und seine Alter-Egos nicht finden, sehr wohl aber dessen jeweilige Tagesfrau.
Jeder Tag, den Jeff,. Bob, Jim, Wyatt, Charlie, Tom und Will nun erleben, hält unliebsame Überraschungen bereit, führt zu immer mehr Lügen und Verstrickungen und unweigerlich in eine große Katastrophe.

Meinung:
Die Idee von „Dayworld“ hat mich von Beginn an begeistern können. Der Autor erschafft eine ­unglaublich kompilierte aber spannende Welt voller Irrwitz und trotzdem erschreckend real.
Ich habe mit Staunen gelesen, welche Auswirkungen eine solche Teilung der Gesellschaft und auch die Technik des Versteinerns haben können. Natürlich gibt es durchaus positive aber auch solche, die unsere Moralvorstellungen erheblich strapazieren würden.
Im Grunde handelt es sich bei der „Steiner“-Gesellschaft um ein totalitäres System. Die jeweiligen Tagesregierungen und der Weltrat scheinen zwar vom Volk legitimiert zu sein (darauf wird im Detail aber nicht eingegangen), jedoch herrscht ein System von Reglementierung und Überwachung, dass bei den ständig präsenten Himmelsaugen (wahrscheinlich Satelliten) beginnt, sich über allgegenwärtige Kameras und mithörende Bildschirme erstreckt und in den Plänen der Regierungen zu verpflichtenden Implantaten für jeden Bürger gipfelt.
Der Leser ist somit recht schnell auf der Seite der Immers und der von Jeff Caird. Doch auch diejenigen, die scheinbar die Erlösung bringen könnten, sind nicht unfehlbar und so wird unser Protagonist am Ende zu einer Person, die weder die eine noch die andere Seite repräsentiert.
Dieser Roman von Philip José Farmer war wirklich eine lohnenswerte Entdeckung. Leider wurden die beiden anderen Teile nie ins Deutsche übersetzt. Da der Autor jedoch noch sieben weitere Romanserien und über dreißig Einzelromane veröffentlicht hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich demnächst noch mehr von ihm lesen werden.

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