DIE SCHATTEN – Guillermo Del Toro/Chuck Hogan – Rezension

Rahmen

Guillermo Del Toro ist ein bekennender Fan des Werks von H.P. Lovecraft und offensichtlich auch von den Autoren, die Lovecraft beeinflusst haben. Er widmete seinen neuesten Roman Die Schatten nämlich drei der „Großen Alten“ der Phantastik: Algernon Blackwood, Lord Dunsany und Arthur Machen.

Diese Autoren lebten alle in etwa zur gleichen Zeit um das Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts und sie schrieben alle düstere Fantasy, die sich mit Mythologie, Geistern und dem Okkulten beschäftigen.

So ist es nicht verwunderlich, dass Die Schatten, das gemeinsame Werk von Del Toro und dem Thriller Autor Chuck Hogan diese Themen aufgreift.

Inhalt

Die Geschichte spielt im Jahre 2019 in New Jersey und New York. Die junge FBI-Agentin Odessa muss während eines Einsatzes bei einem Familiendrama ihren eigenen Partner erschießen, denn der benimmt sich plötzlich wie ein Wahnsinniger und versucht, die einzige Überlebende, ein 9jähirges Mädchen zu töten.

Zum Zeitpunkt des Todes ihres Partners sieht Odessa einen Schatten aus dessen Körper entweichen, doch davon erzählt sie zunächst niemandem.

Da ein FBI-internes Verfahren gegen sie eröffnet wird, muss sie ihre Waffe abgeben und wird in eine andere Außenstelle versetzt, wo sie für Hilfsarbeiten eingesetzt wird. Dabei soll sie das Büro eines längst pensionierten Agenten ausräumen und ihm seine letzten Habseligkeiten in Krankenhaus bringen, wo er nach einem Schlaganfall im Sterben liegt. Das Zusammentreffen mit diesem Agenten, Earl Solomon, wird ihr Leben in eine Richtung lenken, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Denn nun treten solche Dinge wie religiöse Magie, okkulte Riten, uralte Flüche und noch mehr Schatten in ihre Welt – und mit ihnen Hugo Blackwood.

Gemeinsam mit diesem geheimnisvollen Engländer, der so gar nicht in ihre Zeit zu passen scheint, verfolgt sie nun die blutige Spur des Bösen, dass sich in der Gegend austobt und ihnen immer näher zu kommen scheint.

Meinung

Die Schatten ist wie ein klassischer (Mystery)-Thriller aufgebaut. Er ist temporeich erzählt und kommt ohne weitschweifende Beschreibungen aus. Es herrscht eine durchgehende Spannung und die Protagonisten sehen sich permanent einer Bedrohung ausgesetzt.

Dabei ist die Geschichte in drei Erzählstränge aufgeteilt, wobei die zwei in der Vergangenheit spielenden die Hintergrundinformationen über Earl Solomon und Hugo Blackwood liefern.

Für die strukturell und sprachlich solide Story zeichnet sich vermutlich der erfahrende Thriller-Autor Hogan verantwortlich.

Dennoch fehlt es dem Roman an Atmosphäre und dem unterschwelligen Grauen, dass man nach dem Auftakt zur ersten gemeinsamen Trilogie der Beiden Autoren Die Saat eigentlich erwartet hätte.

Das Thema selbst hält für erfahrene Fantasy- und Mystery-Leser keine großen Überraschungen bereit und die Herangehensweise erinnert ein wenig an Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI aus den 90er Jahren.

Trotzdem ist dieser Roman durchaus lesenswert. So findet darin zum Beispiel eine ziemlich gnadenlose Auseinandersetzung mit dem in den 1960er Jahren herrschenden Rassismus statt, der selbst vor FBI-Agenten keinen Halt macht. Das Böse selbst ist hingegen kein bisschen rassistisch. Ihm ist es egal, welche Hautfarbe seine Opfer haben.

Die Protagonisten der Geschichte sind nahbar und zeigen das Potenzial, in den nächsten Bänden der Reihe zu wirklichen Helden zu avancieren.
Die Geschichte macht Lust auf mehr, denn sie kratzt an der Oberfläche einiger sehr dunkler Geheimnisse, die noch auf ihre Leser warten. Das Ende und der Epilog lassen vermuten, dass eben diese Geheimnisse außer Kontrolle geraten werden und sich die Reihe zu einer ähnlich epischen Geschichte wie „The Strain“ entwickeln könnte.

Für alle, die mit „The Strain“ nichts anfangen können: Hierbei handelt es sich um die erste Trilogie von Del Toro und Hogan bestehend aus den Büchern Die Saat, Das Blut und Die Nacht.

Fazit

Die Schatten ist wie im Titel schon erwähnt der Auftakt zu einer Reihe namens „Die Blackwood Aufzeichnungen“ oder „Die Blackwood Tapes“ – hier konnte sich der Verlag anscheinend nicht so richtig entscheiden.

Wer das Thema Okkultismus und Besessenheit interessant findet, könnte auch Gefallen an diesem Buch bzw. der neuen Reihe finden. Spannend und unterhaltsam ist der Roman auf jeden Fall.

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