DER ÜBERGANG – Justin Cronin

Roman
Justin Cronin

Goldmann Verlag
Gebundene Ausgabe
1024 Seiten

Das Buch beginnt mit der Geschichte von Amy’s Mutter. Es wird erzählt, unter welchen Umständen sie das Kind bekommt und was in den sechs Jahren nach der Geburt passiert. Es läuft darauf hinaus, dass eine verzweifelte, mittellose und von der Polizei gesuchte Mutter, ihr 6jähriges Kind in einem christlichen Konvent abgibt und verschwindet. Von da an kümmert sich eine der Schwestern besonders um Amy. Diese Schwester, Lacey, hatte selbst ein schweres Schicksal, welches sie immer noch verfolgt. Doch genau das, macht sie besonders empfindsam gegenüber Amy, was noch von großer Bedeutung sein soll.
Als nächstes folgt man einer Expedition in den südamerikanischen Regenwald. Es stellt sich heraus, dass die Forscher nach dem Träger eines ganz besonderen Virus suchen. Die Gruppe wird jedoch von etwas angegriffen und die meisten sterben danach an einem seltsamen hämorrhagischen Fieber. Der Leiter der Expedition, Dr. Lear, hat Glück und kehrt mit einem Überlebenden des Fiebers zurück. Dieser Mann mit Namen Fanning ist jedoch nicht mehr derselbe, wie vor der Erkrankung – er ist nun ein anderes Wesen und er ist der Träger des Virus mit welchem nun die Experimente beginnen.
Ein FBI-Agent reist durch das Land und sucht zwölf zum Tode verurteilte Schwerverbrecher zusammen. Sie entkommen der Todesstrafe mit einer Unterschrift auf einem Vertrag, doch damit gehört ihr Leben der Forschung und Dr. Lear. Die Experimente laufen nicht ganz wie gewünscht und so kommt der Doktor auf die Idee, eine andere Art von Proband zu nutzen – ein Kind. FBI-Agent Wolgast wird beauftragt, die kleine Amy aus dem Konvent zu entführen und in das Labor in die Berge von Colorado zu bringen. Er hat von Anfang an Bedenken doch sein Partner Doyle ist skrupellos genug, das Kind zu entführen. Auf dem Weg nach Colorado baut Wolgast eine immer engere Beziehung zu der kleinen Amy auf und irgendwann sind sie auf der Flucht – vor seinen Auftraggebern. Leider scheitert der Fluchtversuch und sie landen alle in dem Versuchs-Gelände des Militärs in Colorado. Amy wird infiziert, wie schon die Zwölf vor ihr. Doch sie ist anders und das Virus bereits mehrfach verändert worden. Und dann beginnt das Ende – die zwölf Probanden brechen aus, töten oder infizieren alle, die ihnen über den Weg laufen. Sie sind schnell, stark, hungrig und – unsterblich!
Hundert Jahre später ist die Welt eine andere. Menschen gibt es nur noch wenige und die haben sich in Kolonien zusammengefunden. Sie haben ihre eigenen Gesetze und alles dreht sich nur um eines – irgendwie überleben. Die Welt gehört jetzt den Virals und Menschen sind nichts anderes als eine Beute.
Wir begleiten die Bewohner einer Kolonie für eine Weile, lernen deren Gepflogenheiten und Eigenarten und vor allem deren Probleme kennen. Die Kolonie wird bald völlig ungeschützt sein, denn die Akkus, welche die lebenswichtigen Flutlichtlampen mit Strom versorgen sind alt und werden bald versagen. Das ist sicher. Seltsame Dinge passieren, Träume suchen die Bewohner heim, Angst und Misstrauen wachsen. Und eines Tages taucht ein Mädchen auf – gerade 14 Jahre alt, wie es scheint. Sie kommt von Draußen, wo kein Überleben möglich ist und sie spricht kein Wort. Amy!
Sie verändert das Leben einiger Bewohner radikal und am Ende wird sie von einer Gruppe von 8 auf einer gefährlichen Reise durch das offene Land – über 1600 km – bis nach Colorado begleitet. Dahin, wo alles begann und wo, so die Hoffnung, alles enden soll.

Dies hier war eine wirklich sehr knappe Inhaltsangabe. Das Buch hat über tausend Seiten und zwischen diesen passiert natürlich noch sehr viel mehr. Zuerst einmal muss ich sagen, dass das „Der Übergang“ nichts für Leute mit schwachen Nerven ist. Es wird zwar keine übertriebene und ausufernde Brutalität dargestellt aber die Stimmung ist durchweg düster, böse, unheimlich, aussichtslos.  Man wird in die Geschichte hineingezogen und leidet mit den Protagonisten – man fühlt  die ständige Angst und die Last, die alle Menschen zu tragen haben. Hierfür kann man nur ein dickes Lob an den Autor aussprechen. Es ist einfach ein unglaublich toll geschriebenes Buch.
Der erste Teil, welcher in der Gegenwart spielt, ist spannend und dramatisch und er hat kein gutes Ende. Die Protagonisten wie Agent Wolgast, die Nonne Lacey, die Probanden und deren Bewacher sowie die kleine Amy und deren Beziehungen untereinander werden im Laufe der Geschichte sehr gut eingeführt und ausgebaut. Doch dann ist es plötzlich zu Ende und es beginnt scheinbar ein ganz neues Buch. Man findet sich ca. 100 Jahre später wieder und muss sich mit einer völlig neuen Situation und neuen Charakteren auseinandersetzten. Und hier findet sich meiner Meinung nach die einzige Schwachstelle des Buches. Es fällt schwer, sich neu einzulesen und Sympathie mit den Personen aufzubauen. Justin Cronin hält sich hier zu lange mit Charakterstudien und Familienstammbäumen von Personen auf, die später kaum noch relevant sind. Dieser Teil war mir wirklich zu anstrengend und ich habe kurz überlegt, ob ich das Buch noch gut finde. Als jedoch Amy wieder ins Spiel kam und die Geschichte immer mysteriöser wurde, kam wieder mehr Lesefreude auf und die enorme Spannung und das Erzähltempo im weiteren Verlauf führten wieder dazu, dass ich das Buch kaum noch weglegen konnte.
Die Achtergruppe um Amy, die sich auf die Reise von Kalifornien nach Colorado begibt, ist mir schnell ans Herz gewachsen. Cronin verfährt mit ihnen nicht nach dem typischen Muster – „Einer nach dem anderen muss sterben und am Ende bleiben nur noch zwei Helden übrig“. Nein, er macht alle zu Helden. Die Geschichte nimmt einige unerwartete Wendungen und es wird immer bedrückender. Man hat eigentlich nie die Hoffnung auf ein gutes Ende – was noch dadurch bestärkt wird, dass ab und zu in eine ferne Zukunft „umgeschwenkt“ wird – ca. 1000 Jahre später – in der auf einer internationalen Quarantänetagung die Tagebücher verlesen werden, die während  der Geschichte entstehen.
Und das Ende der Geschichte hat es in sich. Es ist nicht sonderlich dramatisch aber dafür umso ergreifender. Justin Cronin gelingt es, mit leisen Andeutungen und einer rührenden Geste einen wunderbaren Schlusspunkt zu finden – für diesen Teil. Denn dass es weiter gehen muss, wird gegen Ende des Buches klar. Es wurde viel aufgeklärt aber einige, gewitzt verpackte Kleinigkeiten, lassen die Spannung bestehen bleiben.

Fazit: Ein tolles Buch mit viel Spannung, Tragik aber auch Gefühl, wunderbar geschrieben und wenn man es über ein paar Längen im mittleren Teil geschafft hat, ein phantastisches Lese-Erlebnis. Dieses Buch wird man so schnell nicht vergessen.

Wertung 6 von 10 Punkten

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