DER TOD UND DAS DUNKLE MEER – Stuart Turton – Rezension

Inhalt

1643 – Battavia (das heutige Jakarta in Indonesien)
 
Die Saardam, ein Schiff der niederländischen Ostindien-Kompanie, soll in Kürze in in Richtung Amsterdam ablegen. Kurz bevor der scheidende Generalgouverneur von Battavia und dessen Entourage das Schiff betreten, stößt ein Aussätziger eine unheilvolle Warnung aus. Sein Herr und Meister, der Teufel selbst, sei an Bord der Saardam und der würde dafür sorgen, dass das Schiff Amsterdam nie erreichen wird. Danach geht der Mann in Flammen auf.
 
Dem berühmten Detektiv Samuel Pipps, der die Szene beobachtet hat und ebenfalls an Bord der Saardam gehen soll, ist sofort klar, dass dem Schiff höchste Gefahr droht – wenngleich nicht unbedingt durch den Teufel. Am liebsten würde er den Generalgouverneur überzeugen, gar nicht erst abzulegen oder ihn die Sache untersuchen zu lassen. Doch das ist nicht möglich, denn Samuel Pipps liegt in Ketten und wird in ein dunkle Kammer tief in den Eingeweiden des Schiffes geworfen. Er ist nämlich der Gefangene des Generalgouverneurs und soll in Amsterdam zum Tode verurteilt werden.
 
Nun muss sein Assistent Arent Hayes versuchen, das Rätsel um den Aussätzigen und dessen Warnung zu lösen. Doch das ist nicht leicht, denn nahezu jeder an Bord glaubt an die Existenz eines Dämons und schreibt jegliche tragische Vorkommnisse diesem zu. Schon bald kommt es zum ersten Mord und es werden noch viele weitere folgen. Der Detektiv und sein Assistent hingegen, glauben etwas ganz anderes . Sie finden einige wenige Verbündete, die Ihnen bei den Nachforschungen helfen und immer mehr Hinweise sammeln. Schnell wird klar, dass es sich bei dem vermeintlichen Werk eines Dämons durchaus auch um eine unglaublich geschickt geplante Verschwörung handeln könnte und das diese unweigerlich mit ihrer aller Tod enden wird.
 

Historischer Hintergrund

Diese Kriminalgeschichte spielt in einer Zeit in der die Niederlande eine globale Handelsmacht sind. Doch nicht nur das, sie waren führend in der Schiffsbautechnik sowie im Dienstleistungssektor, insbesondere Finanzdienstleistungen. In der damaligen Gesellschaft war die Standeszugehörigkeit für das Leben des Einzelnen bestimmend. Der Aufstieg vom einfachen Bauern oder Arbeiter zum angesehenen Bürger war nahezu unmöglich, es sei denn man schlug eine kirchliche Laufbahn ein. Selbst innerhalb des Adelsstandes gab es große Unterschiede, was Ansehen, Ressourcen und persönliche Rechte betraf. So wundert es nicht, dass es Streitigkeiten, Intrigen und Machtkämpfe in diesen Kreisen zum Alltag gehörten.
Außerdem bezeichnend für dieses Zeitalter ist das Thema Hexenverfolgung und der damit verbundene Aberglaube. Viele Menschen, insbesondere Frauen, verloren ihr Leben, weil sie von anderen denunziert und der Hexerei beschuldigt wurden.
 

Erzählstil

Dass Stuart Turton sein Handwerk beherrscht, wird mit jeder Seite des Romans deutlich. Von Beginn an wird eine Bedrohung aufgebaut, die sich im Laufe der Handlung immer mehr zuspitzt. Hinzu kommen Protagonisten, die allesamt durch ihre eigenen Schicksale und Pläne zu potenziellen Verdächtigen werden, ein genialer Ermittler, dem buchstäblich die Hände gebunden sind und ein Assistent, der in Selbstzweifeln ertrinkt, auf dessen Schultern aber die Verantwortung für das Leben hunderter Menschen lastet.
 
Die Art, wie die Ermittlungen voranschreiten und die Dinge, die sie in der Vergangenheit einiger Passagiere zutage fördern,  bewirkt ein ständiges Hin und Her zwischen dem Glauben an übernatürliche Mächte und dem an eher irdischen Machenschaften.
Die gesellschaftlichen Zwänge, denen die Ermittelnden dabei noch unterliegen, macht es ihnen nicht gerade leicht und auch hier bahnen sich jede Menge Konflikte an.
 
Die Sprache (und die Übersetzung) ist jederzeit passend zum historischen Hintergrund und verleiht der Geschichte eine sehr authentisches  Atmosphäre.
 
Das Ende bzw. die Auflösung der Geschichte ist überraschend, sehr überraschend aber trotzdem nicht zu weit hergeholt. Die Beweggründe und Motive sind unter Berücksichtigung der Zeit und Gesellschaft in der der Roman spielt absolut nachvollziehbar.
 

Fazit

Das Buch wird vom Verlag als historischer Kriminalroman bezeichnet – wahrscheinlich, damit es einer Kategorie im Buchhandel zugeordnet werden kann. Doch in Wahrheit ist es viel mehr. Es kann ebenso gut als Gesellschafts- oder phantastischer Roman gesehen werden, je nach Vorliebe der jeweiligen Lesenden.
Es ist in jeden Fall eine sehr unterhaltsame Mischung und trotz der 600 Seiten jederzeit spannend und faszinierend.
 

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