DAS LABYRINTH DER TRÄUMENDEN BÜCHER – Walter Moers

Roman

Walter Moers

Albrecht Knaus Verlag
Gebundene Ausgabe
432 Seiten

Ich bin zurück aus Zamonien und leider ein wenig ratlos. Walter Moers`Zamonien-Romane gehören zu meinen persönlichen Lieblingen und ich würde sie gegen jede Kritik nur allzu gern verteidigen. Bei diesem hier, bin ich mir dessen nicht so sicher. Aber fangen wir von vorne an.

Hildegunst von Mythenmetz ist nach seiner Rückkehr aus den Katakomben Buchhaims und der damit verbundenen Heimsuchung durch das Orm zum erfolgreichsten Schriftsteller Zamoniens geworden. Leider ruht er sich allzu sehr auf seinen Lorbeeren aus, wird fett und selbstgefällig, unzugänglich für Kritik und immer uninspirierter. Bis ihn eines Tages ein Brief erreicht, der ihn erschüttert und dazu veranlasst, erneut in die Stadt der Träumenden Bücher aufzubrechen. Denn der Brief kommt direkt aus den Katakomben unter Buchhaim, aus der Ledernen Grotte und der Verfasser ist… er selbst! Als ob das nicht schon rätselhaft genug wäre, ist es der letzte Satz, der Hildegunst die Knie erweichen lässt – Der Schattenkönig ist zurück.
In Buchhaim angekommen, muss sich Mythenmetz erst einmal zurechtfinden, denn nichts ist mehr so wie vor 200 Jahren, als er zum letzten Mal hier war. Der große Brand – ausgelöst vom Schattenkönig – hatte die Stadt nahezu vernichtet und nun ist sie auferstanden, moderner und größer als je zuvor. Wir begleiten den Lindwurm (der sich auf Grund seiner Popularität nur noch inkognito und verschleiert dort bewegen kann) durch die neu erbaute Stadt und lernen viele erstaunliche Dinge kennen, wie z.B. die Rüssel in die Katakomen, Librinauten, das Qualmoir, den Puppaecircus Maximus und viele weitere Neuerungen.
Auch alte Freunde treffen wir wieder – den Eydeeten Achmed Ben Kibitzer, die Schreckse Inazea Anazazi und den ehemals heruntergekommenen Dichter Ovidios von Versschleifer. Doch ein Wiedersehen endet tragisch und gibt gleichzeitig enorm knifflige Rätsel auf.
Mythenmetz lernt eine neue Kunstform, den Puppetismus kennen und beginnt, diesen zu studieren. Im Rahmen seiner Recherchen trifft er auf den geheimnisvollen Direktor des Puppaecircus Maximus und erlebt ein grauenvolles Deja Vu. Der Direktor lädt ihn zu einer Vorstellung des unsichtbaren Theaters ein. Ohne eine Ahnung zu haben, worum es sich dabei handelt, lässt Mythenmetz sich darauf ein und findet sich zu seinem größten Entsetzen in den Katakomben von Buchhaim wieder – in völliger Finsternis und allein…

Hier sollte nun eigentlich der spannende Teil der Geschichte beginnen, doch genau hier endet das Buch. Ich wusste schon vorher, dass es sich bei dem Buch um eine Art Ouvertüre zum nächsten Teil handelt und bin deshalb auch nicht allzu enttäuscht von dem Ende.
Anfangs war ich einfach nur begeistert darüber, endlich wieder in Zamonien zu sein und die wunderbare Stadt Buchhaim erneut aufsuchen zu können. Ich fand es überhaupt nicht langweilig, auch wenn es eigentlich nur ein Reisebericht und eine Art besondere Stadtbesichtigung war. Zwischenzeitlich war es sogar sehr traurig, als eine lieb gewonnene Figur starb. Das Buch ist genauso liebevoll, geistreich und witzig geschrieben, wie alle anderen Zamonien-Romane.
Jedoch fing es an einem Punkt an, zäh und langweilig zu werden. Es begann mit der ausufernden Beschreibung einer Puppentheater-Aufführung von Mythenmetz`erstem Buch – der Stadt der träumenden Bücher. Auch alles danach folgende zum Thema Puppetismus fand ich einfach nur langweilig und ich konnte nicht anders, als diesen beträchtlichen Teil querzulesen.
Ab dem Zeitpunkt, als Mythenmetz endlich den geheimnisvollen Zirkusdirektor trifft, wird es wieder spannend und die Stimmung kippt ins Unbehagliche. Irgendetwas stimmt ganz und gar nicht und man ist wieder tief drinnen in der Geschichte und will einfach nur wissen, wie es weitergeht. Dieser Wunsch wird leider nicht erfüllt – im spannendsten Moment ist die Geschichte vorerst zu Ende. In einem Nachwort des Autors werden auch die Gründe hierfür erläutert.
Die Idee, das Buch in zwei Teilen zu veröffentlichen, ist ja nicht schlimm und dürfte die Fans sogar freuen. Nur leider passiert in diesem ersten Teil nicht allzu viel – es ist, wie der Autor selbst im Nachwort schreibt, eine Ouvertüre. Eine ziemlich teure Ouvertüre. Hierfür muss ich definitiv einen Punkt abziehen. Ich hätte mich sehr geärgert, wenn ich das Buch direkt bei Erscheinen gekauft und gelesen und dann festgestellt hätte, dass es nur eine zu lang geratene Einleitung ist.

Einen weiteren Punkt muss ich leider für die ausufernde und nervende Puppentheater-Thematik abziehen. Ein Drittel des Buches geht für die Beschreibung von Puppen, der Art sie zu bauen und im Theater einzusetzen drauf. Die Ausführlichkeit, mit der auf dieses Thema eingegangen wird, lässt vermuten, dass das Wissen um die Puppen im zweiten Teil eine wichtige Rolle spielt. Ich will es hoffen, sonst müsste ich die Genialität des Autors leider in Frage stellen.

Fazit: Es ist und bleibt ein Moers – wieder eine wunderbare, geistreiche Geschichte in der unvergleichlich fantastischen zamonischen Welt, die ich so liebe.

Wertung 5 von 10 Punkten

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