DAS JAHR DES DUGONG – John Ironmonger / Rezension

Diese Geschichte hat es in sich. Auf knappen 135 Seiten erlebt Toby Markham, wie eine mögliche Zukunft der Menschheit aussehen könnte.
 
Toby versteht nicht, wo er ist und wer die seltsamen Leute  mit den merkwürdigen Namen sind, die sich um ihn kümmern und ihn gesund pflegen, nur damit sie ihn dann der Zerstörung des Planeten anklagen und zu einem langsamen Tod verurteilen können. Er wähnt sich in einem schlechten Traum, im Koma oder in einer geschmacklosen Reality-Show – doch nichts von dem ist so erschütternd, wie die Wahrheit.
 
Im Jahr des Dugong ist die Welt eine andere und die Menschheit ist eine andere. Toby Markahm ist ein Relikt und steht für die Menschheit des heutigen Zeitalters. Er ist weder besonders gut noch böse, er lebt sein Leben in dem Glauben, niemandem Schaden zuzufügen und als einzelnes Individuum sowieso nichts ausrichten zu können gegen solche Probleme wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben.
 
Ist es also gerechtfertigt, ausgerechnet ihn der Zerstörung des Planeten auf Grund seines Nicht-Handelns in Anbetracht der vorgenannten Probleme anzuklagen?
 
Mit dieser Frage – der Schuld und der Macht des Einzelnen – beschäftigt sich John Ironmonger in seiner Erzählung.
Viele der Aspekte, die er hierbei beleuchtet, sind hinlänglich bekannt und vielen von uns auch klar – zumindest auf der Ebene unseres Verstandes, die ganz tief vergraben liegt unter ganz vielen Wenns und Abers und Vielleichts und Irgendwanns.
 
Doch das was die Geschichte auf eine ganz eindrückliche Weise berührend macht, sind nicht die Fakten. Es ist die offenkundige Liebe zur Natur, zu allem, was sie hervorbringt und ihrer unvergleichlichen Schönheit, die der Autor sich hier von der Seele schreibt – und seine Angst um all das.
Das gelingt ihm mit einem feinfühligen Erzählstil, ganz ohne Effekthascherei und erhobenen Zeigefinger.
 
Mein einziger Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass ich mir mehr davon gewünscht hätte. Ich hoffe also sehr auf einen neuen Roman von John Ironmonger, der uns mit Sicherheit noch ganz viel zu erzählen hat.
 

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