DAS GEHEIME LAND – Lisa Tuttle

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Ian Kennedy lebt und arbeitet als Privatdetektiv in London. Er ist darauf spezialisiert, vermisste Menschen wiederzufinden. Seine Aufträge führt er mit viel persönlichem Engagement und Leidenschaft aus. Ein Grund dafür liegt in seiner Vergangenheit, denn dort gab es ebenfalls Menschen, die spurlos verschwanden.Sein neuester Auftrag, die junge Peri wiederzufinden, die seit mehr als zwei Jahren verschwunden ist, weckt in Ian Erinnerungen an seinen ersten Fall und an die Sehnsüchte, die ihn einst dazu brachten, als Amerikaner in England zu bleiben. Seit damals weiß er um die Geheimnisse hinter den alten irischen und schottischen Volksmärchen, um eine Welt, die den meisten auf ewig verborgen bleibt. Doch immer wieder verschwinden Menschen dorthin – freiwillig oder unfreiwillig. Die Fakten deuten darauf hin, dass auch Peri in die Anderwelt übergetreten ist, einen Ort, mit dem sie offenbar auf eine besondere Weise verbunden ist.
Für Ian ist es schwer, Peris Mutter – seine Auftraggeberin und zugleich eine absolut rationale Geschäftsfrau – von seinem Verdacht zu überzeugen. Doch letztendlich macht sie sich mit ihm und Peris Ex-Freund auf den Weg ins schottische Hochmoor, um ihre Tochter zurückzuholen.

Das Geheime Land ist ein stiller und besinnlicher Roman. Spannung oder gar Action sucht man vergebens. Die Recherchen zum Fall der Vermissten sowie die anschließende Suche scheinen nur Nebensache zu sein, denn es dreht sich im Grunde alles um Ian Kennedy selbst. Der Verlust bzw. das Verschwinden zweier ihm nahe stehender Menschen haben ihn stark geprägt und erklären seine Beharrlichkeit, jeden Fall aufklären zu wollen. Aufkeimende Gefühle, aber auch extreme Differenzen zwischen ihm und seiner Auftraggeberin führen zu noch mehr inneren Konflikten und schüren seine geheime Sehnsucht nach der anderen Welt.
In Rückblicken wird immer wieder aus Ians Vergangenheit erzählt. Auch die Geschichte seines ersten Falles und seine erste Berührung mit der Welt der Sagen und Mythen sowie der Wahrheit dahinter wird komplett retrospektiv erzählt. Dazwischen werden immer wieder die Märchen selbst in eigenen Kapiteln eingebaut. Die Geschehnisse in der Gegenwart werden dadurch sehr in die Länge gezogen, sodass am Ende auf der reinen Handlungsebene so gut wie gar nichts passiert ist.
Und trotzdem liest man immer weiter. Man fühlt sich keineswegs gelangweilt, sondern ist eher interessiert und neugierig. Das liegt zum einen an der schönen Sprache, mit der die Autorin ihre Geschichte erzählt, zum anderen an der wirklich interessanten Person Ian Kennedys. Er leidet zwar unter einigen der Dinge, die ihm widerfahren sind, doch er nimmt keineswegs eine Opferrolle ein. Allerdings hat er innerlich alles losgelassen, was er verlieren könnte, und genau das macht ihn empfänglich für die Verlockungen des geheimen Landes.
Fazit: Ein geistreicher, tiefsinniger Roman mit märchenhaften Elementen, einigen Längen und null Action. Für Märchenliebhaber und Genießer geeignet.

Wertung: 6 von 10 Punkten

Verlag: Piper
400 Seiten

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